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Zu viele Anticholinergika?

Überaktive Blase

Urologie

Patienten mit überaktiver Blase (OAB) in fortgeschrittenem Alter sind die typischen Kandidaten für anticholinerge Medikamente. Oft erhalten sie aber schon andere Medikamente mit ähnlichem Wirkmechanismus. Damit steigt das Risiko für entsprechende Nebenwirkungen, z. B. seitens des Zentralnervensystems.

Diesen Zusammenhang untersuchte eine aktuelle Beobachtungsstudie. Eingeschlossen waren 986 ambulante Patienten im Alter von mindestens 65 Jahren, bei denen eine Therapie gegen OAB indiziert war. Sie wurden in 162 Urologen-Praxen in Deutschland mit SNAP-TAB-Tabletten mit 45 mg Trospiumchlorid behandelt. Anschließend gaben Ärzte und Patienten ein Urteil über die Therapie ab.

Bei 445 der Patienten lag der Score der ACB-Skala (Anticholinergic Burden) bei 3 oder darüber. Der mediane Komorbiditäts-Index- Score (CIRS-G, Cumulative Illness Rating Scale for Geriatrics) betrug 5. Fast 79% der Patienten, bei welchen die Wirkung der Therapie beurteilt wurde, nahmen täglich 45 mg Trospiumchlorid ein, viele davon in drei Dosen à 15 mg durch Dreifach-Teilung der Tablette. Beim Vergleich der Hauptsymptome der OAB zeigte sich eine eindeutige Verbesserung, unabhängig davon, ob die Tagesdosis auf einmal oder in Dritteln eingenommen wurde. Ärzte und Patienten gaben überwiegend ein positives Urteil ab. Nur bei 4,37% der Patienten wurde die Medikation vorzeitig abgebrochen. In 7,45% wurden unerwünschte Wirkungen angegeben.

Eine Belastung mit Anticholinergika hat sich als Risikofaktor für kognitive Einschränkungen einschließlich Demenz und Morbus Alzheimer erwiesen. Bei Trospiumchlorid ist die Penetration durch die Blut-Hirn-Schranke gering. Nach früheren Studien zeigte die Substanz kaum Auswirkungen auf das ZNS. WE

Ivchenko A et al.: Anticholinergic burden and comorbidities in patients attending treatment with trospium chloride for overactive bladder ... BMC Urol 2018; 18(1): 80

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Datum:
12.12.2018