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„BLOATING“-Schema und „3-F-Regel“

Blähungen gezielt therapieren

Gastroenterologie

Blähungen gehören zu den häufigsten Beschwerdebildern, denen man im Praxisalltag begegnet. Um der Ursache auf die Schliche zu kommen, empfiehlt sich ein systematisches Vorgehen.

Nur in etwa der Hälfte der Fälle sind Blähungen auch als abdominale Distension sichtbar. Können organische Ursachen ausgeschlossen werden, kommen funktionale Ursachen infrage. Um den blähenden Mechanismus zu entlarven, kann man sich am BLOATING-Akronym entlanghangeln: Bowel disturbance, Liquid, Obstruction, Adiposity, Thoracic, Increased sensitivity, Neuromuscular, Gas.

Bei einer abdominalen Distension sind Konstipation, Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO), Zöliakie und entzündliche Darmerkrankungen (CED) mögliche Ursachen; bei nicht-intestinalen Distensionen sollte man Aszites, Herzinsuffizienz, Übelkeit und Emesis, Obstipation und Darmverschluss erwägen. Ein obstruierter Magenausgang kann auf Neoplasie oder peptische Ulzera hinweisen. Dünndarmobstruktionen sind oft Folge postoperativer Adhäsionen. Von thorakal verursachten Blähungen spricht man, wenn bei intestinaler Distension fälschlicherweise der Thorax expandiert und das Diaphragma kontrahiert. Häufig tritt diese Fehlsteuerung bei Patienten mit funktionellen Blähungen, diabetischer Gastroparese, gastroösophagealem Reflux sowie bei infiltrativen Prozessen oder nach Eingriffen am Magen auf.

Erhöhte Sensitivität bzw. viszerale Hyperalgesie sieht man häufig im Kontext von funktionellen Blähungen, Reizdarm, Dyspepsie, Depression, Angststörung, Stress, Übergewicht und prämenstruellem Syndrom. Neuromuskuläre Ursachen für Blähungen können Motilitätsstörungen oder bestimmte Medikamente sein, wie Narkotika. Flatulenzen bzw. vermehrte Gasbildung deuten meist auf Aerophagie, Reizdarm oder Ernährungsfaktoren hin.

 

Diarrhoe, Konstipation, mechanisch

 

Im ersten Schritt lassen sich „Pseudoblähungen“ bzw. nicht-intestinale Distensionen anhand der 3-F-Regel (Flüssigkeit, Fett und Fetus) ausschließen. Danach sollte man sich ein möglichst genaues Bild von der Hauptbeschwerde machen. Häufige Ursachen von Blähungen im Kontext einer Diarrhoe sind Ernährungsfaktoren, Medikamente, SIBO, Zöliakie, CED sowie Diarrhoe-dominiertes Reizdarmsyndrom. Bei Blähungen, die mit Konstipation assoziiert sind, können neben der Konstipation per se auch Beckenbodendysfunktion, Konstipation-dominiertes Reizdarmsyndrom oder Narkotika und andere Medikamente verantwortlich sein. Verdacht auf eine mechanische Störung sollte man bei Hinweisen auf Magen- oder Dünndarmverschluss schöpfen. Treten die Blähungen ohne die genannten Faktoren auf, sollte man Aerophagie, Gastroparese, funktionelle Dyspepsie und andere Ätiologien erwägen.

Bei Patienten ohne Konstipation lohnt sich auch ein Blick auf das zeitliche Einsetzen der Blähung relativ zur letzten Mahlzeit. Tritt sie innerhalb von 30 Minuten nach dem Essen ein, ist die Ursache vermutlich gastrisch zu verorten; setzt die Blähung dagegen erst nach 30 Minuten bis zwei Stunden ein, sollte man den Dünndarm ins Visier nehmen.

Die Ernährungsweise des Patienten sollte man genau unter die Lupe nehmen, inklusive der Mahlzeitengröße und -frequenz sowie der Aufnahme von Fruktose, Laktose, Gluten und karbonisierten oder koffeinierten Getränken. Auch ist ggf. die Medikation und Supplementation zu überprüfen, ebenso das Vorliegen relevanter Komorbiditäten.

 

Ursachengerechte Therapie

 

Bei leichten Blähungen reicht es oft aus, den Patienten aufzuklären. Bei ernährungsbedingter Ätiologie hilft es, Auslöser zu vermeiden und den Konsum fermentierbarer Nahrungsmittel zu reduzieren. Konstipationen lassen sich mit Hydratation, Laxativa, Stimulanzien oder Beckenboden-Biofeedback lösen. Letzteres kann auch bei abnormalem viszerosomatischem Reflex Linderung verschaffen. Bei SIBO helfen Antibiotika, Probitoka wirken bei inflammatorischer Störung supportiv. Bei viszeraler Hyperalgesie kommen Antispastika, Antidepressiva, Anxiolytika oder eine kognitive Verhaltenstherapie infrage. OH

Kamboj AK, Oxentenko AS: Workup and management of bloating. Clin Gastroenterol Hepatol 2018; 16(7): 1030-3

Bereitgestellt von:
Datum:
07.12.2018