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Eine Ernährungstherapie kann den Nierenersatz verzögern

Fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung

Andrologie

Eine gezielte Ernährungstherapie ist ein wichtiges Element im konservativen Management von chronisch nierenkranken Patienten. Wie sie zusammengesetzt sein sollte, hat die Italian Society of Nephrology (ISN) in einem Konsenuspapier zusammengefasst.

Mit abnehmender Nierenfunktion werden Natrium, Kalium, Phosphor und Wasser immer schlechter aus dem System eliminiert. Die Folgen sind arterielle Hypertonie, Ödeme, Herzinsuffizienz und ein erhöhter oxidativer Stress. Der Phosphorüberschuss führt zu sekundärer Hyperparathyreose und Gefäßverkalkung. Die katabole Verarbeitung überflüssiger Proteine resultiert in metabolischer Azidose, die Muskel- und Knochenabbau fördert und Insulinresistenz und Hyperkalämie begünstigt. Bei fortgeschrittener CKD (Stadium 4 bis 5) kommt es zu Anorexie, Übelkeit, Appetitverlust und in Folge dessen zu einem Energiedefizit, Nährstoffmängeln und Kachexie.

Die Ernährung hat dabei wichtige Auswirkungen auf die Therpie: Übermäßiger Salzkonsum erfordert eine intensivierte antihypertensive und antiproteinurische Therapie. Eine erhöhte Insulinresistenz infolge übermäßiger Energieaufnahme muss durch die Intensivierung von Antidiabetika und Lipidsenkern ausgeglichen werden. Bei zu hoher Phosphat-aufnahme müssen Photsphatbinder auftitriert werden, und bei schlechterer Kontrolle der Hyperparathyreose sinkt das Ansprechen auf Erythropoese-stimulierende Mittel und ACE-Inhibitoren. Ein Übermaß an gebundenen Säuren aus tierischen Proteinenquellen sorgt dafür, dass mehr Bicarbonat eingesetzt werden muss.

 

Diätempfehlungen:

 

Die empfohlene Ernährung bei CKD gestaltet sich wie folgt: Reduktion von Proteinen (<0,8 g/kg tgl.), Phosphat (<700 mg tgl.), und Natrium (max. 5,6g tgl. bzw. urinäre 24-h-Natriumexkretion 90-100 mmol) sowie Begrenzung von Kalium (Reduktion bei Hyperkalämie >5,5 mmol/l) und gebundenen Säuren. Die genauen Richtwerte sind auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abzustimmen. Gegebenenfalls ist ein Absetzen oder Reduzieren hyperkalämisch wirkender Medikamente, z. B. ACE-Inhibitoren, Sartane und Anti-Aldosterone, zu erwägen. Der Fokus liegt auf ballaststoffreichen pflanzlichen Lebensmitteln. Sie wirken der metabolischen Azidose entgegen und sind kaliumarm.

Bei dieser reduzierten Ernährungstherapie muss sichergestellt werden, dass der Kalorienbedarf und die Versorgung mit allen essenziellen Aminosäuren gedeckt werden und eine gute glykometabolische Kontrolle erreicht wird. Das Minimum an Protein, das ein Patient mit stabiler fortgeschrittener CKD benötigt, liegt bei 0,55 g/kg tgl. Eine strikte Adhärenz an die dazu nötige vorgeschriebene Kalorienmenge von tgl. 35 kcal/kg (bei Personen unter 60 Jahren) bzw. 30 kcal/kg (bei Personen über 60 Jahren) ist von essenzieller Bedeutung. Hilfreich sind zudem stark Natrium-, Kalium-, Phosphor- und Protein-reduzierte Produkte auf Kohlenhydrat-Basis. Sie decken den Energie

bedarf und lassen dabei genug Raum für die Aufnahme hochqualitativer Proteinquellen. Eine zusätzliche Supplementation essenzieller Aminosäuren und Ketoaziden ist als Ergänzung dieser Ernährungstherapie allgemein sinnvoll und bei sehr stark Protein-reduzierter Diät obligat. Bei diabetischen Patienten ist ggf. eine Erhöhung der Insulindosis erforderlich, um die Aminosäuren-Synthese im Körper zu gewährleisten. Richtig angewandt, führt die Diät weder kurz- noch langfristig zu einem Nährstoffmangel.

Oft vergessen, aber eine hilfreiche Ergänzung der Ernährungstherapie ist regelmäßige körperliche Aktivität, die man auch Patienten mit fortgeschrttenerer CKD und selbst Älteren unbedingt nahelegen sollte.

 

Weniger Dysbiose, spätere Dialyse

 

Durch eine adäqate Diät kann der Dialysebeginn bzw. die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie hinausgezögert werden. Von der Diät profitieren daher besonders CKD-Patienten in präemptiven Transplantationsprogrammen. Manchen Patienten ermöglicht die Ernährungtherapie ein einmal wöchentliches Dialyseregime oder ein inkrementelles Peritoneal-Dialyseregime (IPD) im Rahmen einer integrierten Versorgung. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der Protein-reduzierten und Ballaststoff-reichen Diät ist, dass sie der krankheitsbedingten Dysbiose der Darmflora und der intestinalen urämischen Toxinlast entgegenwirkt. OH

Cupisti A et al.: Nutritional treatment of advanced CKD: twenty consensus statements. J Nephrol 2018; 31: 457-73

Bereitgestellt von:
Datum:
19.09.2018