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Allergisch gegen den eigenen Schweiß

Typ-1-Hypersensitivität bei Dermatitis und Urtikaria

Allergien

Allergisch auf den eigenen Schweiß zu reagieren, ist ein Phänomen, das spezifisch bei Patienten mit atopischer Dermatitis (AD) oder cholinerger Urtikaria (CholU) beobachtet werden kann. Erst kürzlich ist man einem der hauptverantwortlichen Antigene auf die Schliche gekommen, nämlich MGL_1304, ein von dem Hautkommensalen Malasezzia in den Schweiß sezerniertes Protein. Einige Gegenmaßnahmen können helfen, das Problem in Schach zu halten.

Bei Patienten mit AD oder CholU kann der körpereigene Schweiß als Auslöser oder Verstärker der Krankheitssymptome fungieren. Neuen Erkenntnissen zufolge handelt es sich hierbei um eine spezifische Hypersensitivitätsreaktion (Typ I). Die damit verbundene Histaminausschüttung ist aber wahrscheinlich nicht auf eine endogene Schweißkomponente zurückzuführen, sondern auf ein Protein, das der Pilz Malasezzia, ein typischer Bewohner der normalen Hautflora, in den Schweiß sezerniert. Andere Antigene im Zusammenhang mit einer Schweißallergie sind bisher nicht bekannt.

 

Schweiß bei atopischer Dermatitis  

 

Die Symptome der AD werden IgE-vermittelt von verschiedenen Auslösern wie Hausstaubmilben, bestimmte Nahrungsmittel, Pollen, Tiere und Mikroben ausgelöst. Schweiß führt typischerweise zu einer Exazerbation der Läsionen und des Juckreizes. Von der AD betroffen sind dabei vor allem bei Kindern meist jene Hautregionen, an welchen auch viel geschwitzt wird, z. B. die Fossa cubitalis, Fossa poplitea und der Nackenbereich.

Auf einen intradermalen Hauttest mit dem eigenen Schweiß reagieren mehr als 85% aller AD-Patienten positiv. Studien zufolge weisen sie im Vergleich zu Gesunden höhere spezifische IgE-Spiegel gegen das Eigenschweiß-Antigen auf. Die Höhe des Antigen-Spiegels korreliert dabei mit der Schwere der atopischen Dermatitis.

 

Schweiß bei cholinerger Urtikaria 

 

Bei der CholU reagiert die Haut nach einem Bad, dem Steigen der Körpertemperatur, emotionalem Stress oder eben auch auf das Schwitzen mit Stecknadelkopf-großen, stark juckenden, geröteten Quaddeln. Von der Erkrankung betroffen sind meist junge Erwachsene. Etwa die Hälfte aller CholU-Patienten leidet auch an AD. Im Falle der cholinergen Urtikaria wurde in Studien bei mehr als 65% aller betroffenen Patienten eine positive Reaktion auf einen intradermalen Hauttest mit autologem Schweiß festgestellt. Wie auch die AD-Patienten zeigten die CholU-Patienten eine höhere IgE-Antwort als gesunde Kontrollen. Der IgE-Antikörper Omalizumab erwies sich in neueren Studien außerdem als wirksames Mittel bei CholU, was die Vermutung einer IgE-vermittelten Pathogenese der CHolU verstärkt und den Schweiß auch hier zum Hauptverdächtigen macht.

 

Malasezzia und MGL_1304

 

Maßgeblich verantwortlich für die allergische Reaktion auf den Schweiß ist das von Malasezzia globosa, einem typischen Hautkommensalen, seziernierte Protein MGL_1304. Immunologisch erwies es sich als identisch zu dem aus dem Schweiß gewonnenen aufgereinigten „Schweiß-Antigen“, das in bisherigen Experimenten eingesetz wurde, um die Hautreaktionen zu provozieren. MGL_1304 ließ sich sowohl bei Patienten mit AD als auch jenen mit CholU nachweisen. Es korrelierte wie das „Schweiß-Antigen“ mit der Ekrankungsschwere bei atopischer Dermatitis.

Die Konzentration von MGL_1304 im Schweiß der AD- und CholU-Patienten belief sich lediglich auf 0,6 bis 0,8 ng/ml. Zum Vergleich: Die Gesamtkonzentration an Proteinen im Schweiß lag bei 186 ng/ml. MGL_1304 ist im Schweiß also nur niedrig dosiert, hat aber offenbar eine hochspezifische und starke Histamin-freisetzende Wirkung.

 

Hilfreiche Gegenmaßnahmen

 

Im Falle einer AD bzw. CholU sollte man den Schweiß möglichst von der Haut fernhalten bzw. schnell wieder entfernen. Die wohl einfachste Gegenmaßnahme sind Duschen oder Bäder. Damit das Antigen gar nicht erst in die Epidermis infiltrieren kann, sollte man die gestörte Hautbarriere mit topischen Kortikosteroiden und AD-geeigneten Topika unterstützen. Antimykotika wie Ketoconazol oder Itraconazol können die Besiedelung des MGL_1304 produzierenden Malasezzia reduzieren; langfristig sind allerdings Resistenzbildungen zu befürchten. Auch wird so vermutlich die Hautflora im Gesamten gestört, was unerwünschte Nebeneffekte haben könnte. Beispielsweise verhindert eine von M. globosa produzierte Protease das Wachstum von Staphylococcus aureus. In Studien erwies sich eine Desensibilisierung mit Schweiß-Antigen als erfolgreich bei CholU-Patienten. Nach 21 Monaten verbesserten sich bei einem so behandelten Patienten sowohl Pruritus als auch die Quaddeln, und die Reaktivität der Leukozyten gegen das Schweiß-Antigen nahm stetig ab. Ein natürliches Mittel, das die Histamin-Ausschüttung von Schweiß-Antigenen neutralisiert, ist Tannin (TA). Das in Trauben und Grüntee enthaltene Polyphenol linderte als Spray nach dem Bad aufgetragen in Studien effektiv die Symptome von AD-Patienten. OH

Takahagi S et al.: Sweat allergy. Allergol Int 2018; Epub Jul 31; doi: 10.1016/j.alit.2018.07.002

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Datum:
19.09.2018