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Prognose-Sono – rA und ACS – Aorten-Inflammation – rA & Schlaf

EULAR 2018 – Teil 1

Praxis-Depesche

Die wichtigsten Studienergebnisse finden sich auf Kongressen immer in den Late-breaking-Sessions im großen Plenarsaal? Das stimmt so nicht unbedingt. Auf dem diesjährigen EULAR (European League Against Rheumatism) wurden auch zahlreiche spannende Poster präsentiert. Auch wenn es sich um Untersuchungen von überschaubaren Patientenkollektiven handelt, können die Ergebnisse doch eine direkte Auswirkung auf die tägliche therapeutische Praxis haben. Eine Auswahl dieser Posterpräsentationen vom EULAR 2018 haben wir hier für Sie zusammengestellt. Teil 2 dieses Kongressberichts können Sie entweder jetzt direkt online lesen (siehe Link und QR-Code am Ende des Artikels) oder in der kommenden Ausgabe der Praxis-Depesche 9/2018, die am 20.9.2018 erscheint.

Sonographie für rA-Prognose

Wie sich muskuloskelettale Beschwerden im Laufe der Zeit in eine manifeste rheumatoide Arthritis (rA) entwickeln, ist heute noch nicht völlig verstanden. Es besteht daher Bedarf an Vorhersage-Tools, bei welchen Patienten sich wann eine rA entwickeln könnte. Eine Arbeitsgruppe aus Stockholm untersuchte in diesem Kontext sonographische Marker an 66 Patienten, die ein rA-Risiko aufwiesen (muskuloskelettale Beschwerden und ACPA-Positivität, Poster #THU0134). Die Patienten wiesen bei Einschluss keine Arthritis auf (keine synoviale Hypertrophie oder Doppler-Aktivität).

Dieses Patienten-Kollektiv wurde bis zur definitiven rA-Diagnose nachbeobachtet (im Median acht Monate). 41% der eingeschlossenen Patienten entwickelten innerhalb von 2,5 Jahren eine Arthritis. Zum Diagnosezeitpunkt wiesen 74% von ihnen sowohl Tenosynovitis als auch Synovitis auf. Von diesen Patienten wiederum hatten sieben bereits bei Studieneinschluss eine Tenosynovitis im Ultraschall, und weitere sieben entwickelten diese im Verlauf. Am häufigsten war die Extensor-carpi-ulnaris-Sehne betroffen.

Das relative Risiko, im weiteren Verlauf eine manifeste rA zu entwickeln, betrug in dieser Studie für Patienten mit Tenosynovitis und positiven Antikörpern (ACPA) 3,0.

 

Ist die rA ein Risikofaktor in der kardiologischen Notaufnahme?

Bekanntermaßen erhöht eine rA das Myokardinfarktrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung um das 1,5- bis 2-fache. Ob die rA auch in einer kardiologischen Risikopopulation ein zusätzliches Risiko darstellt, ist nicht bekannt. Deshalb wertete man die Daten von über 90 000 Patienten aus, die sich mit kardialen Beschwerden in den Notaufnahmen von vier Stockholmer Krankenhäusern vorstellten (Poster #THU0137).

Es zeigte sich, dass die rA insgesamt kein Risikofaktor für ein akutes Koronarsyndrom (ACS) darstellte. Was man aber auch sah, war, dass die rA speziell bei Patienten, die sich mit dem Leitsymptom „Brustschmerz“ vorstellten, sehr wohl einen Risikofaktor für ACS darstellte. Kommt also ein Patient mit Brustschmerzen und V. a. ACS/Myokardinfarkt in die Notaufnahme, erhöht das gleichzeitige Vorliegen einer rA sein Risiko für ein ACS um 40%, und das unabhängig vom Troponin-T-Test-Ergebnis.

 

rA-Therapie therapiert auch Gefäßinflammation

Mit den kardiovaskulären Risiken der rA befasste sich auch das Poster #THU143. Die Arbeit aus Amsterdam untersuchte bei 78 Patienten, inwieweit sich eine rA-Therapie mit Methotrexat oder Adalimumab auf die Entzündung der Aorta auswirkte (gemessen mittels 18F-FDG-PET/CT; berechnet wurde der maximale standardisierte Uptake des Tracers im Aortasegment mit der höchsten Aufnahme: SUVmax). Das Kollektiv setzte sich zusammen aus 25 Patienten mit aktiver früher rA und MTX-Therapie, 24 mit aktiver länger bestehender rA unter Adalimumab-Therapie (ADA) und 29 Kontrollpatienten mit Arthrose.

Die mediane Krankheitsdauer betrug 2,1 Wochen in Gruppe 1 und 6,9 Jahre in Gruppe 2. Bei der Kontrolle nach sechs Monaten fand man in beiden behandelten Gruppen eine Abnahme des SUVmax (Abnahme um 3,7% unter MTX und 3,0% unter ADA). Die größte Abnahme fand man im Bereich der abdominellen Aorta unter ADA (-9,8%).

Eine medikamentöse antirheumatische Therapie scheint sich bei Patienten mit rA demnach positiv (=hemmend) auf die Entzündung der Arterienwände auszuwirken. Man kann annehmen, dass dadurch auch das kardiovaskuläre Risiko sinkt – bewiesen ist das durch diese Studie allerdings noch nicht.

 

Auch auf den Schlaf achten

Schlafstörungen werden im Alter häufiger und stellen generell ein geriatrisches Problem dar. Die rA wiederum kann ebenfalls zu Schlafproblemen beitragen. In welchem Maße dies in der Praxis der Fall ist, fragten sich Forscher aus Ankara (Poster #THU0172). Man verglich 50 ältere Rheumatiker mit 30 Kontrollprobanden hinsichtlich zahlreicher psychologisch-geriatrischer Scores (z. B. Basic Activities of Daily Living, Yesavage Depression Scale, MMSE, Pittsburgh Sleep Quality Index PSQI).

In keinem der Scores zeigten sich zwischen den Gruppen signifikante Unterschiede – einzige Ausnahme war der PSQI; er lag bei Patienten mit rA im Schnitt bei 9 und in der Kontrollgruppe bei 5 (p=0,029; je höher der PSQI, desto geringer die Schlafqualität). Man sollte bei Rheumatikern also auch regelmäßig nach der Schlafqualität fragen. CB

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Datum:
27.08.2018