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Gabapentin wirkt gut

Chronische neuropathische Schmerzen

Schmerz

Neuropathische Schmerzen resultieren aus fehlangepassten Nervenreaktionen und betreffen einen von 14 Erwachsenen. Klinisch signifikante Therapieerfolge werden allgemein nur von wenigen Patienten erreicht. Gabapentin wirkt nach aktueller Datenlage allerdings recht zuverlässig.

Zwischen 1998 und 2016 wurden 27 randomisierte klinische Studien zur Schmerzlinderung mittels Gabapentin bei Patienten mit Postzoster-Neuralgie (PN) bzw. schmerzhafter diabetischer Neuropathie (DN) publiziert. Eingeschlossen waren insgesamt 5914 Männer und Frauen mit mindestens drei Monate bestehenden mäßigen bis schweren neuropathischen Schmerzen (Alter im Schnitt 58 Jahre).

Eine aktuelle Metaanalyse fasst die Ergebnisse der Studien zusammen. Die orale Gabe von tgl. 1200 bis 3600 mg Gabapentin führte gegenüber Plazebo häufiger zu einer mäßigen bis erheblichen Verbesserung im Sinne einer Schmerzreduktion um mindestens 25 bzw. 50% oder einer spürbaren/deutlich spürbaren Verbesserung des PGIC-Score ( PatientGlobalImpression of Change). Unter Gabapentin erreichten 32% der Postzoster-Patienten eine erhebliche, 46% eine moderate Verbesserung, versus nur 17 bzw. 25% unter Plazebo. Hinsichtlich diabetischer Neuropathie wurde für Gabapentin ein moderater bzw. sehr hoher klinischer Nutzen bei 52% bzw. 38% der Patienten festgestellt (vs. 37 bzw. 21% unter Plazebo).
Patienten mit gemischten neuropathischen Schmerzen, Schmerzen aufgrund einer Rückenmarks- oder Nervenverletzung, krebsbedingten Schmerzen, Phantomschmerzen, Ischialgie oder HIV-assoziierter Neuropathie waren in den Studien nur vereinzelt vertreten. Ein signifikanter Unterschied in der Wirksamkeit von Gabapentin im Vergleich zu Plazebo konnte hier nicht festgestellt werden.
Die Metaanalyse bescheinigte Gabapentin gegenüber Plazebo eine signifikant erhöhte Therapieabbruchrate aufgrund von Nebenwirkungen (8 vs. 11%). Therapieabbrüche durch ausbleibende Wirkung wurden dagegen vergleichsweise seltener beobachtet (2 vs. 3%). Häufige Nebenwirkungen von Gabapentin waren Schläfrigkeit/Benommenheit (14 vs. 5%), Schwindel (19 vs. 7%), periphere Ödeme (7 vs. 2%) sowie Gangstörungen/ Ataxie (14 vs. 3%).
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die aktuellen Leitlinien zur Therapie neuropathischer Schmerzen, die Gabapentin in Erstlinie empfehlen. Woran es der Evidenz noch fehlt, sind Langzeitdaten sowie Vergleichsstudien zu verschiedenen Wirkstoff-Dosierungen und Formulierungen. Auch sollten mehr Patienten mit selteneren Formen neuropathischer Schmerzen eingeschlossen werden. Mithilfe weiterer Daten ließe sich vielleicht im Vorfeld bestimmen, welche Patienten auf eine Therapie mit Gabapentin besonders gut ansprechen. OH

Moore A et al.: Gabapentin for chronic neuopathic pain. JAMA 2018; 319(8): 818-9

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Datum:
03.05.2018