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Plötzlicher Brustschmerz

Besser Sono als PCI

Kardiologie

Ein 32-jähriger Patient kam mit plötzlich einsetzenden Brustschmerzen in eine Notaufnahme. Alles wies in Richtung kardialer Genese der Schmerzen, einschließlich des EKG. Am Ende musste allerdings ein Viszeralchirurg zur Tat schreiten.

Der Patient berichtete, die Stunden zuvor in seinem Appartment mit Pizzaessen und Fernsehen verbracht zu haben. Dabei kam es zu plötzlich einsetzenden thorakalen Schmerzen. Nachdem der Schmerz im Xiphoid- Bereich für mehr als zwei Stunden angehalten hatte, suchte der Patient schließlich das Krankenhaus auf.

Dort berichtete er, dass sein Vater mit 51 Jahren einen Myokardinfarkt erlitten hätte, er selbst keine Medikamente einnähme und gelegentlich Kokain konsumierte. Im EKG sah man eine mögliche Sinusarrhythmie, eine subtile PR-Streckenerhöhung in aVR und eine konkave ST-Streckenerhöhung (1-2 mm) in den inferioren Ableitungen und in V3-V6. Also führte man eine Koronarangiographie durch, die allerdings einen unauffälligen Befund ergab. Die Verlaufslaborwerte offenbarten schließlich deutlich erhöhtes AST, ALT und Bili. Im nachfolgenden abdominalen Ultraschall kam die wahre Schmerzursache zum Vorschein, eine akute Cholezystitis bei Cholezystolithiasis. Später bemerkte man noch einen Sklerenikterus beim Patienten. Man führte eine semielektive Cholezystektomie durch, die nach Angaben der Operateure aufgrund einer gangränösen Gallenblasenwand mit Omentumabdeckung recht kompliziert verlief.
Nota bene: Subdiaphragmatische Prozesse können durch Irritationen des Zwerchfells zu ST-Hebungen im EKG führen. CB

Drachman DE et al.: Case 27-2017... N Engl J Med 2017; 377: 874-82

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Datum:
23.04.2018