News


Krankenhaus digital: Die Forderungen der Klinikärzte

Die Klinikärzte wollen stärker als bisher an der Umsetzung eines digitalen Stationsalltags mitwirken. Und sie fordern ein massives Investitionsprogramm.

„Die Digitalisierung in den Krankenhäusern muss vorangetrieben werden. Der Grad der Digitalisierung muss steigen“, sagte PD. Dr. Peter Bobbert, Vorstandsmitglied des Marburger Bunds, bei einer Session im Rahmen des diesjährigen conhIT-Kongresses. Die Ärzte wollen dabei nicht zusehen, sondern aktiv mitwirken. Gleich am ersten Tag der conhIT wurde deswegen ein Kooperationsvertrag von Marburger Bund und bvitg unterzeichnet, bei dem es um die Entwicklung einer Checkliste geht, mit der Ärzte die Digitalisierung der Einrichtung, in der sie arbeiten, bewerten können.

So sollen einerseits detaillierte Informationen über den digitalen Reifegrad der Krankenhäuser ermittelt werden. Das Tool soll den klinisch tätigen Ärzten andererseits aber auch erlauben, Defizite zu benennen und möglicherweise sogar Verbesserungsvorschläge zu machen. „Wir wollen, dass die Entwicklung einen positiven Weg nimmt. 80 Prozent unserer Mitglieder sehen die Digitalisierung als Chance“, so Bobbert.

Seine Digitaloffensive flankiert der Marburger Bund mit mehreren Forderungen an die Politik, die Bobbert im Rahmen der conhIT-Session erläuterte. Dass Ärzte die Digitalisierung entscheidend prägen und aktiv mitgestalten, ist eine dieser Forderungen. Eine weitere betrifft ein staatliches Investitionsprogramm, um adäquate IT-Strukturen in den Krankenhäusern einführen zu können. Zehn Milliarden Euro deutschlandweit über sechs Jahre werden dafür veranschlagt.

Der Marburger Bunds fordert auch, dass die Digitalisierung nach Standards erfolgen müsse. Ein Datenaustausch zwischen beliebigen Einrichtungen und Systemen müsse möglich sein, so Bobbert. Insellösungen werden abgelehnt. Ebenfalls abgelehnt wird schließlich eine Digitalisierung, die ausschließlich auf mehr Effizienz zielt. Es müsse vielmehr darum gehen, jene Menschlichkeit, die durch die Ökonomisierung der Medizin in den letzten zwei Jahrzehnten verloren gegangen sei, durch die Digitalisierung wieder zu erreichen: „Die Digitalisierung muss für den Menschen da sein, und nicht der Mensch für die Digitalisierung.“

Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM
Bereitgestellt von:
Datum:
18.04.2018