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RNA-Interferenz bei Hämophilie A und B

Neues Wirkprinzip in Phase-1-Studie erfolgreich

Praxis-Depesche

Mit subkutanen Injektionen von inhibitorischen RNA-Fragmenten einmal pro Monat ließ sich in einer ersten klinischen Studie die Expression von Antithrombin effektiv hemmen. Die für die Gerinnung wichtigen Thrombinwerte stiegen dadurch fast in den unteren Normbereich. Mittlerweile laufen bereits weitere Studien zu Fitusiran.

Normalerweise werden Hämophilie A und B durch intravenöse Infusionen von Faktorkonzentraten behandelt. Aber auch bei modernen Präparaten bleiben mindestens einmal wöchentliche Applikationen nötig; zudem entwickelt rund ein Drittel der Patienten Hemmkörper. Einen vielversprechenden alternativen Ansatz stellt die Reduktion des Antithrombinspiegels durch RNA-Interferenz (RNAi) dar.

Neue Daten dazu lieferte nun die erste klinische Studie bei Menschen: Insgesamt nahmen vier gesunde Freiwillige sowie 25 Patienten mit moderater bis schwerer Hämophilie teil, die keine Hemmkörper aufwiesen. Ziel war es, die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Fitusiran zu untersuchen.
Wie die Auswertung ergab, traten in der Studie keine thrombotischen Ereignisse auf. Die Plasma-Spiegel von Fitusiran stiegen dosisabhängig. Mit der monatlichen Injektion der 80-mg-Fixdosis ließ sich zuverlässig eine kons tante Reduktion des Antithrombinspiegels um 87% erreichen. Generell stiegen bei allen Patienten, bei denen die Antithrombinspiegel um 75% oder mehr gehemmt wurden, die Thrombinspiegel in Bereiche, wie man sie von Patienten mit milder Hämophilie kennt. Die häufigsten Nebenwirkungen waren milde Reaktionen an der Injektionsstelle. BA

Pasi KJ et al.: Targeting of antithrombin in hemophilia A or B with RNAi therapy. N Engl J Med 2017; 377: 819-28

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Datum:
22.03.2018