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Orale Medikamente nicht injizieren!

Eigentlich ein „No-brainer"

Atemwege

Bei der Injektion von Medikamenten, die eigentlich für den oralen Gebrauch gedacht sind, kann der Hilfsstoff Crospovidon (Polyvinylpolypyrrolidon; PVPP) erhebliche Probleme verursachen. Das zeigte eine kürzlich im New England Journal of Medicine publizierte Kasuistik.

Wie die Autoren beschreiben, stellte sich eine 31-jährige Frau mit einer Belastungsdyspnoe vor. Die Sauerstoffsättigung war normal, und sie hatte keine Ruhedyspnoe. Aufgrund eines Roux-en-Y-Magenbypasses wurde sie langfristig parenteral ernährt. Die Computertomographie zeigte unzählige, diffuse, zentrinoduläre Knötchen in beiden Lungen. In einer Lungenbiopsie fanden sich perivaskuläre Aggregate von Histiozyten sowie Fremdkörper-Riesenzellen mit reichlich basophilem Fremdmaterial in korallenartigen Strukturen. Wie eine Färbung mit Mucicarmin ergab, handelte es sich dabei um Crospovidon. Die Patientin erhielt die Diagnose „pulmonales Fremdkörpergranulom“.

Crospovidon ist ein inerter Hilfsstoff, der in vielen oralen Medikamenten verwendet wird. Wie die Autoren erläuterten, können pulmonale Fremdkörpergranulome nach der Injektion oder nasalen Inhalation von pulverisierten Tabletten entstehen. Häufig handelt es sich dabei um Opioide oder Stimulanzien. Die Patientin gab an, dass sie den Zugang für die parenterale Ernährung genutzt hatte, um orale Opioide nach dem abdominellen Eingriff zu injizieren. Eine optimale Behandlung für pulmonale Fremdkörpergranulome ist nicht etabliert. BA

Staloch DA, Hedley JS: Pulmonary foreign-body granulomatosis. New Engl J Med 2017; 377: 1273

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Datum:
23.02.2018