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Endlich eine Arthrosetherapie? Wie wichtig ist Vitamin D bei Lupus?

Aktuelle Studien aus der Rheumatologie

Rheuma

Der größte Rheumatologenkongress, die Jahrestagung des „American College of Rheumatology“ und der „Association of Rheumatology Health Professionals“, lockte im November mehr als 16 000 Teilnehmer aus der ganzen Welt nach San Diego. Nachfolgend eine kurze Auswahl der zahlreichen Vorträge, Postersessions und Workshops zur Arthrosetherapie, zu Vitamin D bei Lupus und zu einem Tipp bei der axSpA-Diagnostik.

Cathepsin-K-Hemmer MIV-711 verlangsamt Arthrose-Progression

 
Arthrose-Patienten mit fokalen Knorpelläsionen weisen eine Erhöhung des C-terminalen Telopetids von Kollagen auf, das während des Knorpelabbaus gebildet wird und daher als Biomarker einer Arthrose angesehen wird. Eine Studie weist jetzt auf eine möglicherweise progressionsverlangsamende Wirkung des starken und selektiv wirksamen Cathepsin-K-Hemmers MIV-711 hin. In der Studie wurden 244 Patienten mit Gonarthrose eingeschlossen, die Werte in der „Kellgren und Lawrence Skala“ von 2 bis 3 und Schmerzen zwischen 4 und 10 auf einer numerischen Skala zur Schmerzbeurteilung erreichten. Nach der Randomisierung erhielten sie entweder täglich 100 mg, 200 mg MIV-711 oder ein Plazebo für einen Zeitraum von 26 Wochen. Primärer Studienendpunkt war die Veränderung der Schmerzskala, zusätzlich wurden aber auch Veränderungen der MRI-Befunde analysiert.
Der primäre Endpunkt wurde nicht erreicht, doch interessanterweise verringerte MIV-711 den MRI-Aufnahmen zufolge in beiden Dosen sowohl die Progression der Arthrose als auch den Knorpelverlust. Nach Ansicht der Autoren war die Studie einfach zu kurz, um eine symptomatische Verbesserung aufgrund der veränderten Gelenkstruktur zeigen zu können. Dies sollen jetzt Studien über einen längeren Zeitraum klären.
 
Neue Daten zur Biologika-Exposition in der Schwangerschaft
 
„Die Ergebnisse unserer Studie sind beruhigend für Rheumapatientinnen, bei denen auch während der Schwangerschaft nicht auf die Behandlung mit einem Biologikum verzichtet werden kann“, erklärte Prof. Christina Chambers, San Diego, bei der Vorstellung ihrer Studie. Das wichtigste Ergebnis: Die Kinder hatten im ersten Lebensjahr kein erhöhtes Risiko für opportunistische Infektionen. In der Beobachtungsstudie wurden Informationen von 502 Schwangerschaften ausgewertet, in denen Mütter mit rheumatoider Arthritis (rA) mit einem Biologikum behandelt werden mussten. Diese Schwangerschaften verglich man mit 231 Schwangerschaften von rA-Patientinnen, die kein Biologikum einnahmen und 423 Schwangerschaften von gesunden Frauen. Daten bezüglich der Infektionen der Kinder wurden von Pädiatern von der Geburt bis zum Erreichen des ersten Lebensjahrs gesammelt. Ernste oder opportunistische Infektionen kamen bei 4,0% der Kinder von den rA-Müttern mit Biologika-Exposition vor, im Vergleich zu 2,6% der rA-Mütter, die keine Biologika einnahmen. 2,1% der Babies gesunder Mütter erlebten solche Infektionen im ersten Lebensjahr. Selbst Kinder von Frauen mit rA, bei denen die letzte Dosis eines Biologikums nach der 32. Schwangerschaftswoche verabreicht wurde, hatten in etwa dasselbe Infektionsrisiko wie der Nachwuchs von rA-Patientinnen, die kein Biologikum einnahmen.
 
Vitamin D für Lupus-Patientinnen
 
Schon länger ist bekannt, dass Patientinnen mit der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes (SLE) oft zu niedrige Vitamin-D-Spiegel aufweisen. Eine Studie von Dr. Michelle Petri, Baltimore, zeigte jetzt, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel das Risiko einer terminalen Niereninsuffizienz bei diesen Patientinnen erhöhen. Die Forscher analysierten 1392 SLE-Patienten und stellten fest: Patienten, deren Vitamin-D-Spiegel zu niedrig waren (unter 20 ng/ ml), hatten ein um 87% erhöhtes Risiko, eine terminale Niereninsuffizienz zu erleiden. Aber auch das Risiko für Schäden an der Haut erhöhte sich um 69%. Aus diesem Grund sollte nach Ansicht der Autorin bei SLE-Patienten unbedingt auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung geachtet werden, bzw. bei niedrigen Werten supplementiert werden.
 
Fallstricke bei der Diagnose einer axialen Spondyloarthritis
 
Bei sportlich aktiven Athleten ist bei der Interpretation von Knochenmarksödemen in der Kernspintomographie im Rahmen einer axSpA-Abklärung Vorsicht geboten: Dies zeigt eine Studie an 22 Militärrekruten. Bei den jungen Männern wurden MRI-Aufnahmen der Sakroiliakalgelenke vor und sechs Wochen nach einem intensiven physischen Training verglichen. Nach der Trainingsphase wurden Knochenmarködeme und strukturelle Läsionen von drei geübten Prüfärzten beurteilt. Zudem wurde untersucht, ob die MRI-Befunde den ASAS-(Assessment of SpondyloArthritis international Society)-Klassifikationskriterien entsprechen.
Zu Studienbeginn wiesen bereits 40,9% der Rekruten mindestens ein Knochenmarködem auf. Nach sechs Wochen stieg dieser Anteil auf 50% an. Bei den Rekruten, die solche Läsionen zu Studienbeginn aufweisen, nahmen diese auf 3,7 in Woche 6 zu. Außerdem erfüllten 22,7% der Rekruten schon vor dem Training die Diagnosekriterien der ASAS-Definition, auch dieser Prozentsatz stieg nach dem Training auf 36,4% an. „Unsere Studie zeigt, wie wichtig es ist, vorsichtig bei der Interpretation von MRI-Aufnahmen des Sakroiliakalgelenks von körperlich aktiven Menschen zu sein. Sonst kommt es rasch zu einer Fehldiagnose einer axSpA“, warnte Dr. Thomas Renson, Ghent. SK
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Datum:
23.02.2018