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Woher kommt das VIIP-Syndrom?

Astronauten zurück auf der Erde

Praxis-Depesche

Zugegeben, nur die allerwenigsten Ärzte werden in ihrer beruflichen Laufbahn einem VIIP-Syndrom begegnen. Aber die Ergebnisse der Untersuchungen von 34 NASA-Astronauten zu diesem Syndrom haben es immerhin in das renommierte New England Journal of Medicine geschafft – insofern kann man davon ausgehen, dass sie von allgemeinem medizinischem Interesse sind.

Im erdnahen Weltraum herrscht Mikrogravitation (vulgo „Schwerelosigkeit“). Ein nahezu völliges Fehlen der Erdanziehungskraft hat Auswirkungen auf zahlreiche Körperfunktionen von Astronauten. Unter anderem können sie nach ihrer Rückkehr auf die Erde ein „visual impairment and intracranial pressure syndrome“ (VIIP-Syndrom) entwickeln, welches sich in Makulaödem und erhöhtem intrakraniellem Druck äußert. Die morphologischen Ursachen sah man sich nun im Rahmen einer Studie mittels Hirn-Kernspin-Tomographie genauer an.

Die Forscher verglichen die Hirn-MRT-Bilder von 34 Astronauten vor ihrer Weltraum-Mission mit denen nach der Wiederkehr zur Erde. 18 hatten eine Langzeitmission absolviert (im Schnitt 165 Tage Aufenthalt auf der ISS), 16 einen Kurztrip ins All (14 Tage im Space-Shuttle). Eine Verengung des Sulcus centralis des Gehirns war nach Langzeit-Flügen signifikant häufiger nachzuweisen, ebenso wie eine Kranial- Verlagerung des gesamten Cerebrums. Bei drei Langzeit-Allreisenden war es zudem zu einem Makulaödem gekommen.
Wie lange diese Veränderungen nach einem Flug ins All auf der Erde weiter bestehen, gilt es noch zu untersuchen, ebenso wie die klinische Bedeutung des Phänomens. Auf jeden Fall müssen diese Erkenntnisse aber bei der Planung von Langzeitflügen zum Mars berücksichtigt werden. Vergleichbare Gehirnveränderungen beobachtet man im übrigen auch bei Menschen, die eine längere Zeit auf der Erde in Kopftieflage positioniert sind, was einer Mikrogravitations- Simulation gleichkommt. CB

Roberts DR et al.: Effects of spaceflight on astronaut brain structure as indicated on MRI. N Engl J Med 2017; 377: 1746-53

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Datum:
23.02.2018