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Herausforderung „Astronauten-Lifestyle"

Gesundheitsprävention extrem

Praxis-Depesche

Sich mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung fit zu halten, ist die eine Sache. Das Ganze auch unter den lebensfeindlichen Bedingungen des Weltalls zu schaffen, ist dagegen eine extrem schwierige Aufgabe. Wie es schrittweise gelang sie zu lösen, verrät eine aktuelle Studie.

Die Raumfahrtmedizin hat sich kein leichtes Ziel zur Aufgabe gemacht, denn es geht darum, gesunde Astronauten trotz Schwerelosigkeit und minimalen Ressourcen topfit zu halten – das Ganze auch noch unter starken Sauerstoff-, Druck- und Temperaturschwankungen. Dabei gilt es, vor allem zwei Bedingungen für das Raumfahrtteam zu schaffen: eine ausgewogene Nährstoffversorgung und körperliches Training, um eine Dekonditionierung zu vermeiden. Schließlich müssen die Astronauten für ihre Missionen leistungsfähig bleiben und den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen.

 
„Trockenfutter“ statt Toast
 
Zunächst war man sich gar nicht sicher, ob ein Mensch in der Schwerelosigkeit überhaupt schlucken oder verdauen kann. Die Begeisterung war daher groß, als 1962 der Astronaut John Glenn als erster US-Amerikaner im Weltraum Nahrung zu sich nahm, nämlich Apfelmus aus der Tube. Aufgrund der Gewichtsrestriktionen kann man ein Raumschiff aber nicht einfach mit handelsüblichen Nahrungsmitteln voll laden. Bei den frühen Gemini-Missionen gab es daher ausschließlich gefriergetrocknete Kost, die gemischt mit Wasser eine kalte Mahlzeit ergab. Seine Entscheidung, ein Sandwich mit an Bord zu schmuggeln, bereute der Austronaut John Young auf der Gemini-3-Mission schnell. Denn schwerelos herumschwebende Krümel können in einer engen Raumfahrtkapsel nur allzu leicht in die Augen oder den Atemtrakt geraten.
Deutlich angenehmer wurde das Astronautenleben mit der Warmwasserversorgung auf den Apollo-Missionen. So löffelte an Heiligabend 1968 die Besatzung nach amerikanischer Tradition thermostabilisierten Truthahn mit Bratensoße – die erste Weltall-Mahlzeit, die nicht rehydriert werden musste. Auf der Weltraumstation Skylab wurde die Trockennahrung überwiegend mit vorgekochten Mahlzeiten ersetzt. Tatsächlich war die Station mit einer vollständigen Bordküche ausgestattet.
 
Fitness-Center inklusive
 
Dank der Größe des Skylab war es nun auch möglich, ein stationäres Fahrrad zu installieren. Damit, sowie mit elastischen Fitnessbändern, konnten die Astronauten nun auch aktiv gegen den Muskel- und Knochenschwund angehen, der auf den immer längeren Missionen zunehmend zum Problem wurde. Auf der ISS (International Space Station) trainieren die Astronauten derzeit mithilfe des ARED-Systems (Advanced Resistive Exercise Device). Es simuliert das Training mit freien Gewichten bei Erdgravitation. Zusätzlich zum Fahrrad-Ergometer ist auch ein Laufband verfügbar.
 
Bereit für die Mission zum Mars?
 
Ein Problem, dass es noch zu lösen gilt, ist die immer noch kleine Auswahl der Astronauten- Kost. Denn schließlich tragen auch Geschmackserlebnis, Aussehen und Textur von Nahrungsmitteln zum geistigen und leiblichen Wohl bei. Schlimm werden diese „Kleinigkeiten“ vor allem bei sehr langen Missionen. Auf einer Erkundungsmission zum Mars, wie sie derzeit angestrebt wird, wären die Astronauten rund 2,5 Jahre unterwegs, isoliert in einer extrem engen, kargen und monotonen Umgebung. Rein mit Fertigmahlzeiten wird eine Marsmission ohnehin nicht machbar sein. Denn selbst mit der knappen Ration von 1,7 kg Nahrung pro Tag und Crew-Mitglied müsste die Rakete für eine mit sechs Astronauten besetzte Marsmission fast eine Tonne Nahrungsmittel in das Weltall befördern.
Mit eigenen Gärten auf den Raumstationen hofft man, sowohl die Nahrungsprobleme als auch die psychische Belastung der Austronauten zu verbessern. 2015 ist es erstmals gelungen, im All gezüchtetes Gemüse zu ernten. Allerdings steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen, und die Lebensmittel müssen zudem vor Strahlung geschützt werden. OH

Pelligra S, Gossman WG: Aerospace, health maintenance, wellness. StatPearls [Internet] 2017. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; Epub Oct 14

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Datum:
23.02.2018