News


Mäßiger Alkoholkonsum doch nicht gesund

Kognitive Degeneration

Zentralnervensystem

Zumindest für das Gehirn scheint es nicht zu stimmen, dass ein Glas Wein hier und da gesundheitsförderlich ist. Denn einer aktuellen Studie nach führen selbst kleinste Alkoholmengen zu pathologischen Hirnschäden.

Über einen Zeitraum von 30 Jahren erfassten Wissenschaftler im UK in etwa fünfjährigen Abständen verschiedene Gesundheits- und Lebensstilparameter von 550 nicht-alkoholabhängigen Männern und Frauen (Durchschnittsalter bei Studienbeginn 43 Jahre). Per Fragebogen wurde dabei die pro Woche konsumierte Menge an Alkoholeinheiten erfasst (eine Einheit entspricht etwa 10 ml bzw. 8 g Alkohol). Mit durchschnittlich 11,5 Einheiten gemäß den aktuellen UK-Empfehlungen war der Alkoholkonsum der Männer als mittelhoch einzustufen, der Konsum der Frauen als niedrig (6,4 Einheiten).

Bei jeder Untersuchung wurden verschiedene kognitive Tests und am Ende der Studie zusätzlich ein MRT-Scan des Gehirns durchgeführt. Das Ergebnis war ernüchternd: Dosisabhängig nahm mit der Höhe der Alkoholmenge die Dichte der grauen Gehirnmasse ab, vor allem im Hippocampus und im anterioren Bereich der Amygdala. Exzessive Trinker (30 Einheiten) hatten gegenüber Abstinenten ein fast sechsmal höheres Hirnatrophie- Risiko; aber auch moderate Alkoholmengen (7 bis 13 Einheiten) ließen das Risiko um mehr als das Dreifache ansteigen. Ein protektiver Effekt von nur geringem Alkoholkonsum (maximal 6 Einheiten) konnte nicht festgestellt werden. Zusätzlich war das Alkoholtrinken mit strukturellen Schäden der weißen Gehirnmasse verbunden und sorgte für Einbußen in der Sprachflüssigkeit – ein Hinweis auf eine reduzierte exekutive Funktion.
Angesichts der Tatsache, dass der Alkoholkonsum von 40% der Frauen und Männer die von den UK-Richtlinien neue empfohlene Obergrenze von 13 Einheiten pro Woche überstieg, sollte man den oft verharmlosten Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft dringend überdenken, so das Fazit der Autoren. OH

Topiwala A et al.: Moderate alcohol consumption as risk factor for adverse brain outcomes and cognitive decline: longitudinal cohort study. BMJ 2017; 357: j2353

Bereitgestellt von:
Datum:
22.02.2018