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Kein Wirksamkeitsnachweis zu finden

Wearables" für Babies

E-Health

SIDS erschreckt viele Eltern Neugeborener (Sudden Infant Death Syndrome, plötzlicher Kindstod). Diese Sorge treibt jene frisch gebackenen Eltern in Elektronikmärkte oder Webshops, um sogenannte „Wearables“ für ihre Neonaten zu erwerben. Allerdings konnte noch für keines dieser Geräte nachgewiesen werden, dass es tatsächlich SIDS verhindert.

Wearables sind am Körper getragene Sensoren, die Vitalwerte wie Atem- und Herzfrequenz, Körpertemperatur oder Sauerstoffsättigung an eine Smartphone-App oder einen anderen Empfänger übermitteln. Sie können in Söckchen, Babybodies oder Windelclips integriert sein und geben bei Abweichungen der Messwerte von der Norm Alarm.

Ganz bewusst wird die Aussage „Schützt vor SIDS“ von Herstellern vermieden – ansonsten müssten sie ihre Geräte als Medizinprodukte zertifizieren lassen, und das ist teuer. Genau genommen gibt es auch keine einzige medizinische Indikation, ein gesundes Neugeborenes zu Hause mit einem derartigen Monitor zu überwachen. Bei bekanntem SIDS- Risiko, wie es Frühgeborene mit rezidivierenden Apnoen, Bradykardien oder Hypoxämien oder SIDS-Geschwister aufweisen, besteht zwar eine Monitoring-Indikation, dann aber mit dafür zugelassenen Medizinprodukten. Eine weitere Gefahr der Wearables besteht in der Überdiagnose. Falsch-positive Alarme können Eltern unnötig verängstigen (es gibt durchaus bei gesunden Kindern passagere Phasen von SpO2<80%), und unnötige Notaufnahmebesuche, Blutentnahmen, Bildgebung und Krankenhausaufenthalte verursachen. CB

Bonafide CP et al.: The emerging market of smartphone- integrated infant physiologic monitors. JAMA 2017; 317: 353-4

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Datum:
22.02.2018