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Anwenderberichte


Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft diskutiert neue Krankenhausstrukturen in der Zukunft

Aktuell entstehende Megatrends fordern das gesamte Gesundheitswesen, insbesondere die Krankenhauslandschaft. Zu diesem Thema sprach Günter van Aalst, stv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin e. V. (DGTelemed) bei der Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft am 24. Mai 2018 in Rostock-Warnemünde. 

Die Versorgungslandschaft in Deutschland verändert sich. Dies stellt insbesondere Krankenhäuser vor strukturelle und finanzielle Herausforderungen. Die Problemlagen sind dabei unterschiedlich ausgeprägt und erfordern differenzierte Lösungsansätze. So besteht in Ballungsgebieten eine hohe Versorgungsdichte: Zahllose Krankenhäuser erbringen identische Leistungen. Folgen sind ineffiziente Strukturen und zunehmender Verdrängungswettbewerb. Mögliche Lösungen liegen laut van Aalst in regionalen, sektorenübergreifenden Versorgungsverbünden, bedarfsorientierten Kooperationen und einer weitergehenden Spezialisierung. „Um die daraus resultierenden Verteilungskonflikte zu überwinden, wird ein Konsens zwischen den einzelnen Krankenhausträgern erforderlich – und politisch erwartet“, konstatiert van Aalst. „Die Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen setzt hier z. B. auf regionale Versorgungskonzepte, Behandlungsschwerpunkte und den Nachweis von Qualitätskriterien.“ 

Auch in ländlichen Gebieten oder strukturschwachen Regionen stehen stationäre Grundversorger vor wesentlichen Herausforderungen: Wirtschaftlichkeit trotz geringer Betriebsgröße, Fachkräftemangel durch geringere Standortattraktivität, konstante Qualität bei geringen Fallzahlen und flächendeckende Verfügbarkeit von Expertise. Als zukunftsorientierte Versorgungsstrukturen sieht van Aalst hier eine Konzentration auf die Grund- und Notfallversorgung und keine Flucht in die Spezialisierung. Regionale, interdisziplinäre und intersektorale Versorgungsverbünde können Lösungen sein, um die wohnortnahe Versorgung sektorenübergreifend sicherzustellen. 

Digitalisierung kann laut van Aalst maßgeblich unterstützen, Versorgungsprozesse und Behandlungsabläufe zu optimieren: „Mit Hilfe telemedizinischer Netzwerke kann es gelingen, Expertise aus spezialisierten Zentren ohne Zeitverlust allerorts bereitzustellen. Medizinischer Rat wird für Patienten und Ärzte leichter erreichbar. Digital erfasste und dokumentierte Daten können zusammengeführt, ausgetauscht und zur gemeinsamen Therapieentscheidung genutzt werden. Die notwendigen telematischen Lösungen gibt es bereits, z. B. Videosprechstunde, Telemonitoring, Telekonsil, Wearables oder Apps.“ Wichtig sei nun, die konsequente Vernetzung aller Akteure voranzutreiben und neue Formen der intersektoralen und berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit zu fördern – auch über die nachhaltige Vergabe von Fördermitteln. Die Akzeptanz bei Ärzten und weiteren Gesundheitsberufen sowie in der Politik ist dabei ebenso essentiell wie Beteiligung der Patienten. „Das Lebensumfeld der Menschen ist längst digital“ schließt van Aalst. „Damit steigen auch die Ansprüche der Menschen in Bezug auf Versorgungsqualität, Verfügbarkeit von Expertenwissen und Zugang zu behandlungsrelevanten Daten. Alle Akteure im Gesundheitswesen sind nun gefordert, die neuen technischen Möglichkeiten mit menschlicher Zuwendung zu kombinieren, um die medizinische und pflegerische Versorgung in Deutschland gemeinsam in die Zukunft zu führen.“

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Datum:
27.05.2018