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Implantierter Chip soll vor Krampfanfällen warnen

In einem neuen Forschungsprojekt der TU Dresden wird eine telemedizinische Anwendung entwickelt, die Patienten mit Epilepsie vor drohenden Anfällen warnt.

Epilepsie ist eine der häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Jedes Jahr erkranken rund 40000 Patienten in Deutschland neu an einem Krampfleiden. Rund eine Dreiviertelmillion Menschen lebt damit. Zu den Problemen der Epilepsie gehört, dass sich Anfälle oft nicht ankündigen und unter Umständen erhebliche Unfallgefahr besteht, wenn der Anfall in einer ungünstigen Situation eintritt. Das kann den Patienten selbst gefährden, etwa durch Stürze, aber auch andere Menschen, beispielsweise im Rahmen von Verkehrsunfällen.

Hier setzt das neue Forschungsprojekt NeuroESP an, in dem Neurochirurgen um Professor Matthias Kirsch und Elektro- und IT-Techniker der TU Dresden um Professor Ronald Tetzlaff gemeinsam mit dem Unternehmen Sigma Medizin-Technik ein Assistenzsystem zur Warnung vor epileptischen Anfällen entwickeln. Gefördert wird das Projekt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE mit 1,4 Millionen Euro.

Langfristig soll ein Implantat entwickelt werden, das Hirnströme kontinuierlich vor Ort aufzeichnet, um diese dann analysieren zu können. Wenn genug Datensätze vorliegen, könnten daraus prognostische Algorithmen abgeleitet werden, die nicht nur eine Untersuchung abgelaufener Anfälle, sondern auch eine Vorhersage bevorstehender Anfälle ermöglichen könnten.

Der implantierte Sensor könnte dazu an ein Smartphone gekoppelt werden, das den Patienten informiert, wenn ein Anfall droht. Dadurch würde es ihm möglich, sofern verfügbar, präventive Medikamente einzunehmen. Alternativ könnte er zumindest einen sicheren Ort aufsuchen, an dem keine Verletzungsgefahr droht oder an dem er medizinisch betreut werden kann.

Das ist freilich noch Zukunftsmusik. Bisher existieren weder implantierbare Chips noch evidenzbasierte Algorithmen für die Anfallsprädiktion. Auch das kürzlich gestartete NeuroESP-Projekt wird in der dreijährigen Projektlaufzeit kein komplettes System entwickeln können. Es soll aber den Grundstein für eine Entwicklung künftiger Implantate für den „Heimgebrauch“ legen.


Text: Philipp Grätzel von Grätz, Chefredakteur E-HEALTH-COM

Weitere Infos zum Forschungsprojekt NeuroESP:

https://tu-dresden.de/ing/elektrotechnik/iee/ge/forschung/forschungsprojekte/neuroesp-assistenzsystem-zur-warnung-vor-epileptischen-anfaellen#section-1
Bereitgestellt von:
Datum:
11.04.2018